Gemeinsam mit 10 österreichischen Freiwilligen-Organisationen hat WeltWegWeiser, die Servicestelle für internationale Freiwilligeneinsätze von Jugend Eine Welt, Qualitätsstandards für Auslandseinsätze entwickelt. Diese Selbstverpflichtung der Organisationen fördert sinnstiftende Freiwilligenarbeit.
Auf dieser Seite geben wir einen Überblick über ihre Entstehung und die Grundsätze. Die Standards im Detail stellen wir außerdem als Download zur Verfügung: Qualitätsstandards für internationale Freiwilligeneinsätze.

Der Aufbau: Wie Freiwilligeneinsätze betrachtet werden

Internationale Freiwilligeneinsätze involvieren vor allem vier Beteiligte: die Freiwilligen selbst, die Aufnahmeorganisationen bzw. Einsatzstellen, die Entsendeorganisationen und die Begünstigten der Einsatzstellen. Dazu kommt das Umfeld, im Falle von Freiwilligeneinsätzen also vor allem die Angehörigen der Freiwilligen, FördergeberInnen, die interessierte Öffentlichkeit und Medien.
Wir verstehen die Abwicklung von internationalen Freiwilligeneinsätzen als bewusste Gestaltung von Beziehungen. Freiwillige, Aufnahmeorganisationen und Entsendeorganisationen stellen die Begünstigten/KlientInnen der Einsatzstellen in den Mittelpunkt. Die vorliegenden Standards sollen Freiwillige, Aufnahmeorganisationen und Entsendeorganisationen erreichen und behandeln daher auch deren Dreiecksverhältnis.
Ein gelungener Einsatz für alle Beteiligten (Freiwillige, Entsendeorganisation und Aufnahmeorganisation) ist gekennzeichnet durch einen klaren Rahmen, klare Struktur, klare Zuständigkeiten und klare Kommunikation vom Erstkontakt an – sowie durch die notwendige Flexibilität, um auf Unvorhergesehenes reagieren zu können. Die Beratung und Unterstützung bei der Entscheidungsfindung und Vorbereitung im Inland vor der Ausreise trägt zu einem gelingenden Einsatz ebenso bei, wie eine gute Begleitung während und eine Nachbereitung nach dem Einsatz.
Die Struktur der vorliegenden Qualitätsstandards folgt diesem Dreiecksverhältnis. Durch diesen Aufbau werden manche Themen in den Qualitätsstandards mehrfach behandelt – aber eben jeweils auf unterschiedlichen Beziehungsebenen.

Die Mission: Wozu die Qualitätsstandards beitragen

Die Erfüllung der vorliegenden Standards fördert

  • sinnstiftende Einsätze für Freiwillige und Aufnahmeorganisationen, indem die Einsätze Lernmöglichkeiten für Freiwillige bieten und einen Beitrag zu den Zielen der Aufnahmeorganisation darstellen)
  • bestmögliche Rahmenbedingungen und Lernerfahrungen für Freiwillige
  • eine qualitätsvolle und partnerInnenschaftliche Zusammenarbeit im Dreieck Freiwillige – Aufnahmeorganisationen – Entsendeorganisationen unter Einbeziehung des sozialen Umfelds
  • MultiplikatorInnentätigkeiten von Freiwilligen für entwicklungspolitische und interkulturelle Themen in der Gesellschaft

Darüber hinaus sollen die Standards eine Orientierungshilfe für die Arbeit der Entsendeorganisationen und die Zusammenarbeit aller Beteiligten sein. In ihrer Arbeit orientieren sich alle Beteiligten an Prinzipien der Gleichstellung und Nicht-Diskriminierung.

Die Standards: Schwerpunkte setzen

Die vorliegenden Qualitätsstandards stellen keinen allumfassenden Kriterienkatalog für internationale Freiwilligeneinsätze dar. Sie stellen jedoch folgende Anliegen in den Mittelpunkt:

  • Die Standards sind praxistauglich und für alle Beteiligten im Arbeitsalltag nützlich und anwendbar.
  • Die Standards sind für möglichst viele Organisationen mit zum Teil sehr unterschiedlichen personellen und finanziellen Ressourcen anwendbar.
  • Die Standards bieten sowohl den Freiwilligen, als auch den Organisationen eine hohe Transparenz.

Daher handelt es sich um Mindestanforderungen. Alle an der Entwicklung beteiligten Entsendeorganisationen tragen die Qualitätsstandards mit. Innerhalb dieser Organisationen gelten diese Standards als Mindeststandards. Weitere Entsendeorganisationen sind eingeladen, diese Qualitätsstandards zu übernehmen.

Ein Ausblick: Weiterentwicklung

Die Erarbeitung der Qualitätsstandards ist vorerst abgeschlossen, Qualitätsmanagement ist aber ein fortlaufender Prozess. Es ist daher wichtig, dass die vorliegenden Standards auch gelebt werden und ein wesentlicher Bestandteil der Qualitätssicherung bei Entsendeorganisationen sind.
Zur Verbindlichkeit werden regelmäßige gemeinsame Reflexionen der Entsendeorganisationen beitragen, die sich zur Einhaltung dieser Qualitätsstandards verpflichten. Im Rahmen von Austauschtreffen zum Thema Qualitätsmanagement werden sich WeltWegWeiser und die Entsendeorganisationen auch mit der Implementierung der vorliegenden Qualitätsstandards beschäftigen.
In weiterer Folge sind – im Rahmen der Vergabe eines noch zu schaffenden Gütesiegels für internationale Freiwilligeneinsätze – auch externe Überprüfungen möglich, um durch eine Außensicht bei der Umsetzung der angestrebten und vereinbarten Ziele behilflich sein zu können und Missbrauch vorzubeugen.

Wie die Qualitätsstandards entstanden sind

Im Sommer 2015 startete Jugend Eine Welt mit dem Aufbau von WeltWegWeiser, einer Servicestelle für internationale Freiwilligeneinsätze. Finanziell unterstützt wurde WeltWegWeiser von der Austrian Development Agency. Gemeinsam mit anerkannten Entsendeorganisationen zielte Jugend Eine Welt/WeltWegWeiser darauf ab, Qualitätsstandards für internationale Freiwilligeneinsätze (weiter) zu entwickeln. Für diese Erarbeitung wurde Anfang 2016 eine Projektgruppe unter der Leitung von Jugend Eine Welt/WeltWegWeiser eingerichtet, der insgesamt zehn Entsendeorganisationen angehörten: Caritas, CONCORDIA Sozialprojekte, Dreikönigsaktion, Grenzenlos, Jesuit Volunteers, Salvatorianer, SCI Österreich, Steyler Freiwilligendienst, VIDES Freiwilligendienst, VOLONTARIAT bewegt. Ehemalige Freiwillige, Aufnahmeorganisationen bzw. Einsatzstellen und externe ExpertInnen wurden durch schriftliche Befragungen, persönliche Interviews und bei Austauschtreffen in die Entwicklung miteinbezogen. Auch bereits bestehende Standards wurden berücksichtigt (u.a. Freiwilligengesetz, Qualitätsstandards deutscher Entsendeorganisationen, Kinderschutzstandards etc.).